Die offizielle Pressemitteilung zur 60. ITB zeichnet das Bild einer Branche, die „ein Zeichen für Dialog und Resilienz“ setzt. Doch wer am dritten Tag die Messehallen betrat, erlebte eine Realität der Abwehr und des Schweigens.
Die verweigerte Begegnung
Während die Messeleitung die „Bedeutung persönlicher Begegnungen“ hervorhebt, war mein Erleben von Entfremdung geprägt. Ich suchte das Gespräch, nutzte Postkarten als bewusste Herausforderung für einen Austausch – doch die Reaktion war ernüchternd. Anstatt die Einladung zum Dialog anzunehmen, wiegelten die meisten ab. In der afrikanischen Halle gab es zwar noch Bewegung, doch der echte Einsatz für den Frieden blieb oft ein einseitiges Bemühen. Vielmehr ging es um Geschäfte, wie immer. Ist das die „Resilienz“ einer Branche, die sich hinter geschäftiger Leere versteckt, sobald es um Inhalte geht?
Technik-Diktat statt kritischem Geist
Die ITB mutiert zur Technikausstellung; mittlerweile dominieren vier Hallen diesen Bereich. Während sich die Massen bei Vorträgen von Branchenriesen wie Google drängelten, fehlte jedes kritische Hinterfragen. Wir lassen uns von KI-Visionen berieseln, während das menschliche Fundament des Tourismus weg bricht. Wo bleibt die Resilienz, wenn wir nur noch über Algorithmen statt über Menschen sprechen?
Schweigen unter dem Presseausweis
Besonders paradox wirkte das Lob des „internationalen Dialogs“ angesichts der Realität für Journalisten. Mit dem Presseausweis unterwegs, stiess ich am letzten Tag auf eine Mauer des Schweigens. Vor allem bei Ausstellern aus China hatte man das Gefühl, ein unsichtbarer Maulkorb verhindere jedes echte Wort. Wenn Fragen als Bedrohung wahrgenommen werden, ist der Geist einer Weltmesse gestorben.
Selbst die politische Inszenierung regt zum Nachdenken an: Wenn der Ministerpräsident von NRW seinen Rundgang macht, aber historische Mahnmale wie der pazifistische Ruhrkrieg totgeschwiegen werden, frage ich mich: Welche Art von „Stabilität“ und „Frieden“ wollen wir hier eigentlich verkaufen?

Die E-Mail an Herrn Wüst, beantwortet wird das nicht
Mein Fazit: Die ITB 2026 mag auf dem Papier Geschäftsentscheidungen in Milliardenhöhe feiern. Für mich ist sie als Tourismusmesse jedoch leblos. Die sogenannte Resilienz hat nicht zu Stärke geführt, sondern zu einer tiefen Entfremdung. Wenn selbst eine Postkarte als Gesprächsimpuls zu viel verlangt ist, hat der Tourismus seine Rolle als Brückenbauer verloren.
