Wie Russen töten – der Eklat der FAZ

Wie Russen töten – der Eklat der FAZ


Statt Sprache der Eskalation mehr Mut zum Frieden? Analyse eines denkwürdigen Augenblicks in Belgrad, die türkische Perspektive und das Plädoyer für den Ausstieg aus der Gewaltspirale 

Wenn Worte im öffentlichen Diskurs verrohen und die Vernichtung von Menschenleben zur rhetorischen Metrik von Hilfe herabgewürdigt wird, befindet sich eine Gesellschaft an einem gefährlichen Wendepunkt. Der Vorfall auf der Pressekonferenz in Belgrad zeigt eindringlich, warum eine radikale Rückbesinnung auf Diplomatie, Abrüstung und Entschärfung dringender ist denn je.  

Der Vorfall: Eine Frage, die die Grenzen des Sagbaren verschiebt 

Während einer gemeinsamen Pressekonferenz des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und des serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić in Belgrad stellte der FAZ-Korrespondent Michael Martens eine Frage, die weit über das übliche Maß diplomatischer Berichterstattung hinausging. Er fragte konkret, was die europäischen Staaten tun könnten, um der Ukraine zu helfen, „mehr russische Soldaten zu töten“.  

Diese Wortwahl löste Entsetzen und Debatten über die Ethik des Kriegsjournalismus aus. Dass eine führende Tageszeitung im Nachgang von einer „missverständlichen Formulierung“ sprach, zeigt mangelndes Fingerspitzengefühl: Die fortschreitende Gewöhnung an eine Sprache, die Menschenleben rein kalkulatorisch erfasst und den Blick für die Katastrophe jedes einzelnen Todes verstellt.  

Zwei Welten der Reaktion: Selenskyj und Vučić 

Die Reaktionen der beiden Staatsmänner auf dem Podium verdeutlichten die tiefen Risse in der europäischen Wahrnehmung des Konflikts:  

Bevor die Antwort jedoch im Raum stehen bleiben konnte, ergriff der serbische Gastgeber Aleksandar Vučić das Wort und setzte eine deutliche Zäsur:  

Bei unseren Gesprächen ging es an keiner Stelle um militärische Zusammenarbeit. Ich hoffe zutiefst, dass jegliches Töten so schnell wie möglich ein Ende findet. Aleksandar Vučić, Präsident von Serbien 

Vučićs Einschub verweigerte sich der militärischen Verengung der Frage und unterstrich die Notwendigkeit, das menschliche Leid über das militärische Kalkül zu stellen.  

Wir brauchen mehr finanzielle Unterstützung, mehr Waffen und Munition für unsere Verteidigung und eine konsequente Verschärfung der Sanktionen. Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine 

Selenskyj nutzte die Frage des Journalisten, um die Kernforderungen Kiews zu wiederholen. Aus der Sicht eines Landes unter aggressivem Beschuss ist diese Haltung rein auf das Überleben gerichtet, wo militärische Unterstützung als einzig verbliebenes Schutzschild verstanden wird.

Wir brauchen Frieden und auch Herr Selensky hätte die Chance nutzen können. 

Die türkische Perspektive:
Pragmatische Vermittlung statt Vernichtungsrhetorik 

Ergänzend zu den Stimmen aus Belgrad und Kiew lohnt sich der Blick auf die Haltung der Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Als einziges NATO-Mitglied, das von Beginn an direkte Gesprächskanäle zu Kiew und Moskau offen gehalten hat, vertritt Ankara eine Position, die im westlichen Diskurs oft zu kurz kommt:  

Ein gerechter Frieden hat keine Verlierer. Wir dürfen die Suche nach Frieden nicht aus den Augen verlieren und müssen die Verhandlungen unverzüglich wiederbeleben.


Die Türkei zeigt, dass strategische Partnerschaft und der Aufruf zu Verhandlungen kein Widerspruch sein müssen. Ankara beliefert die Ukraine zwar mit Rüstungsgütern, verhängt jedoch keine einseitigen Sanktionen gegen Russland und wirbt unermüdlich für neue Verhandlungswellen in Istanbul. Aus türkischer Sicht führt der Weg aus der Krise nicht über maximale Dehumanisierung oder militärische Allmachtsfantasien, sondern über belastbare diplomatische Kompromisse und Getreide- beziehungsweise Gefangenendeals.  

Warum die Logik des Schlachtfeldes in die Sackgasse führt 

Die Fokussierung auf die Zerstörung des Gegners blendet eine fundamentale historische Wahrheit aus: Kriege enden letztlich nie dauerhaft auf dem Schlachtfeld, sondern am Verhandlungstisch. Eine Rhetorik, die das Töten als primären Gradmesser von Solidarität definiert, erzeugt eine verheerende Logik:  

  • Dehumanisierung des Diskurses: Wenn junge Menschen auf beiden Seiten der Front nur noch als statistische Ziele betrachtet werden, verliert die Gesellschaft ihr ethisches Fundament. 
  • Verengung der Optionen: Die ausschließliche Fixierung auf militärische Siege verhindert die Erarbeitung diplomatischer Sicherheitsarchitekturen. 
  • Gefahr der Unkontrollierbarkeit: Jede weitere Eskalationsstufe erhöht das Risiko eines direkten Zusammenstoßes von Großmächten. 

Der Auftrag für Peaceland.berlin: Verhandlungen statt Hass. Der Weg zum Frieden erfordert Mut — oft mehr Mut als die Fortführung des Krieges. Wir müssen aufhören, friedensethische Positionen und den Ruf nach Diplomatie reflexhaft zu diffamieren. Es braucht Räume für Dialog, Vermittlungsansätze wie jene der Türkei und Serbiens sowie die kompromisslose Erinnerung daran, dass Frieden nicht das Erbe von Gewinnern ist, sondern die Voraussetzung für menschliches Überleben.  


Für eine neue Friedenskultur 


Der Vorfall von Belgrad mahnt uns, die Sprache nicht dem Krieg zu überlassen. Wenn Journalisten und Politiker das Töten normalisieren, muss die Zivilgesellschaft umso lauter Verhandlungen, Waffenruhen und tragfähige Friedenslösungen einfordern. Es ist Zeit, die Maschinerie der Gewalt zu stoppen und den Weg der Diplomatie einzuschlagen.  

Serbien lehnt die Sanktionen ab und hält den Reiseverkehr mit Russland offen. Wir können Sanktionen lockern und eine Feuerpause fordern. Und uns vor allem darauf besinnen, dass es Frieden braucht. Tourismus ist ein Wegbereiter.  

Bericht der Berliner Zeitung

Bericht im Newsroom Schweiz zur Stellungsnahme der FAZ

Ich habe die Schadensbegrenzung der FAZ analysiert und verliere den Glauben an eine verantwortungsvolle Presse in Deutschland

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