Potemkinscher Tourismus

Potemkinscher Tourismus

Der Auftakt der Messe war eine Lektion in Sachen politischer Inszenierung. Wer glaubt, hier ginge es um Völkerverständigung durch Reisen, sieht sich schnell eines Besseren belehrt. Es geht um knallharte Interessen – und darum, die unschönen Wahrheiten kunstvoll zu übermalen.

Die PR-Show: Selektierte Fragen, ignorierte Wunden

Ich hatte mich intensiv auf Angola vorbereitet. Mein Fokus: Der Capoinvest-Skandal und die vielen offenen Wunden, die das Land noch immer zeichnen. Doch eine echte Debatte war nicht vorgesehen.Die Fragen bei der Pressekonferenz wirkten wie bestellt und abgeholt. Es waren anscheinend vorab ausgewählte Journalisten, die das Wort erhielten.

Es ging nicht um Information, sondern um die Durchsetzung einer vorgefertigten Meinung. Man will Tourismus-Geschäfte machen, aber die Menschen, die den Preis für diese „Entwicklung“ zahlen, kommen in der Rechnung nicht vor. Das ist potemkinscher Tourismus: Eine hübsche Fassade für Investoren, während das Leid der Bevölkerung unsichtbar bleiben soll.

Der Gegenpol: Emotion am Brandenburger Tor

Um diesen sterilen PR-Blasen zu entkommen, zog es mich zum Brandenburger Tor. Dort, unter freiem Himmel, traf ich Friedensaktivisten. Ich habe zur Gitarre gegriffen. Ich weiß, ich interpretiere meine Lieder eher emotional statt melodisch perfekt, aber genau diese menschliche Unvollkommenheit war der nötige Kontrast zur glatten Messe-Welt.

Ein ernüchterndes Detail am Rande – bei der amerikanischen und französischen Botschaft ist ein direkter Kontakt kaum noch möglich. Friedenskarten können nicht mehr persönlich abgegeben werden; alles wird auf den anonymen Postweg verwiesen. Die Mauern werden höher, auch in der Kommunikation.

Abend in Paraná: Bossa Nova und Netzwerke

Den Abschluss bildete ein Abendempfang des brasilianischen Bundesstaates Paraná in der brasilanischen Botschaft. Untermalt von Bossa Nova, präsentierten Reiseveranstalter und die TAP ihre Region mit den Reisemöglichkeiten. Jeder kennt die Iguaza Wasserfälle am Dreiländereck von Brasilien, Argentinien und Paraguay. .

Es war ein Moment des Durchatmens und des Netzwerkens. Doch der Kontrast bleibt: Während wir hier bei Häppchen über Tourismusziele sprechen, dürfen wir die politische Verantwortung nicht vergessen, die mit jedem Investment einhergeht.


Mein Fazit

Wir müssen aufpassen, dass Tourismus nicht zur Maske für Ungerechtigkeit wird. Peaceland.berlin wird weiterhin hinter die Kulissen schauen – auch wenn die Mikrofone dort lieber ausgeschaltet bleiben. Und ich muss die ITB nutzen für Gespräche. Wo sonst kann ich mit soviel Nationen über Frieden sprechen. 

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